Anfang Mai 2026 berichteten die Medien über einen Prozess, den die Baumarktkette OBI bis vor den Bundesgerichtshof trägt: kann ein Unternehmen eine Farbe exklusiv für seine Marke schützen lassen? Hier geht es um das Orange. Diesen Farbton nutzen allerdings auch andere Baumarktketten, wie Hornbach und Globus. Daher unsere Frage: Ist die Farbe für eine Marke entscheidend?

Kunden geben die Farbe als Hauptgrund für den Kauf an

85 % der Befragten in einer Untersuchung von Colorcom gaben an, dass die Farbe einer Marke der Hauptgrund für ihre Kaufentscheidung gewesen sei. Bei Kleidung können wir das ja leicht nachvollziehen, aber bei Gütern des täglichen Bedarfs? Andererseits wissen wir ja, dass Farbe Sympathie oder Antipathie auslösen kann.

Und durch Farben werden Assoziationen ausgelöst. Grün wirkt natürlich, Blau signalisiert Seriosität, Rot wirkt dynamisch ….

Die Farbe einer Marke wird stärker erinnert als der Markenname

9 von 10 Menschen nehmen als Erstes die Farbe wahr, und dann erst z.B. die Buchstaben, die den Markennamen ergeben. Lesen ist nun einmal mühsamer und für das Gehirn anstrengender, ein Farbeindruck ist schneller verarbeitet. Hier handelt es sich um eine Art archaisches Programm aus der Urzeit, wo sich unsere Vorfahren blitzschnell entscheiden mussten.

8 von 10 Personen erinnern sich an die Farbe einer Marke, nur gut 4 von 10 Personen dagegen wissen ungestützt den Namen.

Und laut einer Studie der University of Loyola erhöht die richtige Farbwahl die Wiedererkennung einer Marke um rund 80 %.

Womit wir wieder bei OBI wären: das Orange ist kein Alleinstellungsmerkmal, wenn auch die Wettbewerber diese Farbe nutzen. Wenn also die Wiedererkennung über die Farbe funktionieren soll, hat OBI aus unserer Sicht aufs falsche Pferd gesetzt.

Farbe als Alleinstellungsmerkmal einer Marke

Spontan fallen hier eigentlich nur zwei Marken im D-A-CH-Raum ein:

  • Lila für Milka
  • Magenta für die Telekom

Beide haben seit vielen Jahren und über alle Produkterweiterungen, in der ganzen Produktfamilie und in allen Kommunikationsmaßnahmen „ihre“ Farbe stringent durchgezogen. Und werden allein schon an der Farbe erkannt. Das gelingt nur, wenn man eine Farbe / eine Optik wählt, die erstens unverwechselbar und zweitens nicht allzu häufig ist.

Wie noch heute bei einem Produktlaunch eine Farbe zum Markenaufbau genutzt werden kann

Unsere Tipps dazu sind:

  • Wählen Sie eine ungewöhnliche Farbe. Unentdeckte Farben gibt es wohl nicht mehr, aber sehr wohl Farben, die in Ihrem jeweiligen Produkt- und Wettbewerbsumfeld nicht vorkommen.
  • Alternativ – wählen Sie eine Farbkombination aus, die ungewöhnlich und auffallend ist. So wird Blau-gelb heute spontan mit IKEA assoziiert.
  • Oder wählen Sie ein Muster, das Sie durchhalten. Schwarz-weiße Streifen beispielsweise sind nicht nur für Zebras kleidsam!
  • Halten Sie die gewählte Farbe / die Farbkombination durch. In allen Auftritten, von der Verpackung bis zum TV-Spot, vom Social Media-Kanal bis zum Printmailing.
  • Und haben Sie Geduld. Eine Verankerung einer Farbe für eine Marke dauert. Gewonnen haben Sie, wenn die Leute beim Anblick der Farbe z.B. sagen: „Magenta = ach so, Telekom“  – ohne dass der Name dort in Buchstaben steht.

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