Warum erinnern wir uns an lustige, spannende oder einfach ikonische TV-Spots noch nach Jahrzehnten? Versuchen Sie doch mal, sich aktuell an ein paar gute Werbefilme zu erinnern. Klappt nicht? Woran liegt das? Das Gleiche gilt übrigens für Printanzeigen oder Plakate. Der Grund ist einfach: Reizüberflutung.

Die einzelne Marketingmaßnahme geht in der Masse unter

Neben TV, Zeitung, Zeitschriften – teils auch schon stattdessen – gibt es den privaten E-Mail-Account, den Arbeits-E-Mail-Account, LinkedIn, Instagram, TikTok mit den netten Filmchen, andere Social Media-Kanäle usw. Und überall will jemand was von einem! Ganz neu und der latest hotte Tipp für alle Marketer: jetzt geht auch Werbung auf ChatGPT und in WhatsApp. Ja, genau darauf haben die User gewartet …

Wie fällt man da mit seiner Marketingaktion überhaupt noch auf? Wie kann die Marke, das Angebot bis zum Konsumenten durchdringen und haften bleiben? Schwierig, wenn der Adressat jeden Tag, fast rund um die Uhr, mit Botschaften „zugeballert“ wird.

Eine Frequenzerhöhung ist bei Reizüberflutung sicher die falsche Marketing-Lösung

Manche Marketer denken dann „viel hilft viel“. Sie erhöhen die Frequenz ihrer Aussendungen. Bohren per Mail / Newsletter nach, legen nochmal eine Schippe „Angebot / Rabatt“ drauf. So hat eine Kollegin, die gern verreist und zwangsläufig bei ihren Hotelbuchungen auch die Mailadresse angeben musste, zu ihrem Geburtstag von 7 verschiedenen Hotels / Hotelketten ein „Geburtstagsmail“ mit zeitlich befristetem Rabatt / Bonus erhalten. Aber über eine Reise entscheidet man ja nicht so schnell … bevor sie richtig Luft holen konnte, waren schon die ersten Nachfassmails da. „Ihr Rabatt läuft aus, entscheiden Sie sich schnell …“ Und so ging es weiter. Gebucht hat sie jetzt, 2 Monate später, immer noch nichts. Eben weil gerade kein Bedarf war. Zwischenzeitlich hat sie die Nachfassmails aber quasi schon ungelesen gelöscht. Denn es waren zu viele.

Sinnvoll sind bedarfsgerechte Aktionen, die dem Konsumenten einen Mehrwert suggerieren

Statt also eine Geburtstagsmail mit zeitlich knappem Bonus zu senden, und dann automatisiert diverse Nachfassmails, und demnächst dann wieder neue Angebotsmails, wäre eine Geburtstagsmail „Hier ist Dein Geburtstagsrabatt, Du kannst ihn 6 (oder 8, halt lange)  Monate lang einlösen“ sinnvoller gewesen. Denn so eine Mail speichert man. Und wenn man dann Bedarf hat, greift man darauf zurück.

Bei Produkten / Angeboten des nicht-täglichen Bedarfs: Hämmern Sie Ihre Botschaft ein

Hier ist es sehr schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen. denn woher soll man wissen, wann die Waschmaschine kaputt geht, oder ein Steinschlag die Autoscheibe trifft?

Wetten, dass Sie jetzt beim Lesen des „Steinschlags“ sofort ein Jingle „Carglass repariert, Carglass tauscht aus“ im Ohr hatten? Genau das ist das Rezept: Ihr Angebot so in die Gehirnwindungen der Menschen einzuhämmern, dass diese, sobald sie Bedarf haben, nur an Sie denken.

Tipps für Marketing in Zeiten der Reizüberflutung

  • Bleiben Sie in Erinnerung. Und zwar positiv. Wenn der Konsument dann Bedarf hat, erinnert er sich an Sie und kommt auf Ihr Angebot zu.
  • Schaffen Sie Wiedererkennung. Ändern Sie also nicht andauernd Ihren Werbeauftritt, Ihren Slogan, Ihre Werbeaussage. Das ist nicht „hipp“ oder „fresh“, sondern den Verbraucher überfordernd. Telekom hatte großen Erfolg mit der „Kater-Peter-Werbung“ – kaum zwei Jahre her und inzwischen schon die dritte Nachfolge-Kampagne mit wieder anderen Protagonisten, anderer Optik, aber gleichem Thema. Wetten, dass Kater Peter das Thema „mehrere User bei einem Handy-Vertrag“ nachhaltiger und erinnerungsstärker rübergebracht hat als die jetzige Kampagne, die laut den Telekom-Marketern den „aktuellen Pitch-Trend in Social Media“ aufgreift …
  • Bieten Sie einen Mehrwert.
  • Seien Sie kreativ, überraschend, witzig, spannend. Ein Audi, der einen Anstieg hochfährt – gähn – Aufblenden – kein Anstieg, sondern eine Skisprungschanze! Der wird sicher auch weitergeleitet, da wird drüber gesprochen, der „hast Du das schon gesehen“-Effekt.

Beispiele für Werbung, die Wiedererkennung mit Kreativität und immer wieder Neuem verbinden:

  1. Haribo, wo Erwachsene mit Kinderstimmen sprechen. Von vielen als nervig empfunden, kennt sie aber (fast) jeder.
  2. Sixt – aktuell, spontan und witzig.

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