Verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung – dieses „Wortungetüm“ entstand auf EU-Ebene und löst das CSR-RUG (deutsches CSR-Richtlinienumsetzungsgesetz) ab.

Hier steht CSR für Corporate Sustainablility Reporting Directive, die schon für 2021 angekündigt war, und nun im Sommer 2022 finalisiert wwurde. Diese trifft EU-weit Unternehmen, die genauen Berichts-Standards sollen Oktober 2022 (allgemeiner EU-Standard) und Oktober 2023 (Standard für KMU und branchenspezifische Ergänzungen) verabschiedet werden.

Berichtspflichtig sind demnach:

  • große Unternehmen (mehr als 250 Mitarbeitern im Jahresdurchschnitt), unabhängig von einer Kapitalmarktorientierung (Rechtsform), und einer Bilanzsumme von über 20 Millionen Euro oder einem Umsatz von über 40 Millionen Euro.sowie
  • alle kapitalmarktorientierten kleinen und mittleren Unternehmen, ausgenommen nur Kleinstunternehmen, bei denen maximal zwei dieser drei Kritierien zutreffen: maximal 10 Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt, maximal 350.000 Euro Bilanzsumme, maximals 700.000 Euro Nettoumsatzerlöse.

Dabei wurde der Zeitplan noch einmal aufgeweicht und die Umsetzungsphase auf 18 Monate verlängert, er greift nach Stand Juli 2022 stufenweise:

  • ab Januar 2024 für das Berichtsjahr 2024, erste Berichterstattung 2025 für alle bisher schon nach CSR-RUG berichtspflichtigen Unternehmen
  • ab Januar 2025 für das Berichtsjahr 2025, erste Berichterstattung 2026 für alle großen Unternehmen
  • ab Januar 2026 für das Berichtsjahr 2026, erste Berichterstattung 2027, für die kapitalmarktorientierten KMU, für kleine und nicht komplexe Kreditinstitute und firmeneigene Versicherungsunternehmen, allerdings mit einer Opt-Out-Möglichkeit bis 2028.

Kritik gibt es vor allem an der zeitlichen „Streckung“, ursprünglich sollte die berichtspflicht bereits für 2023 gelten. Zum anderen sind die Mehrheit der KMU nicht kapitalmarktorientiert, hier nur eine „freiwillige Berichtserstattung“ empfohlen. Nicht nachhaltig handelnde KMU, die nicht börsennotiert sind, müssen ihre Handlungen nicht offenlegen, sind also nicht zu Erfassung und Transparenz verpflichtet.

Inhaltlich werden die zu berichtenden ökologischen Themen durch die EU-Taxonomie bestimmt, ein Klassifizierungssystem, das vorgibt, welche Wirtschaftsaktivitäten laut Europäischer Kommission als „ökologisch nachhaltig gelten“. Die EU-Taxonomie ist am 1. Januar 2022 in Kraft getreten. Als nächster Schritt werden nun die Kriterien und Klassifizierungen erarbeitet, um die „soziale Nachhaltigkeit“ messbar und damit berichtbar zu machen.

Da immer mehr Unternehmen, aber auch Kommunen, betroffen sind und selbst „klimaneutral“ werden möchten, müssen sie dies auch bei den Partnern, mit denen sie zusammenarbeiten, einfordern. Deswegen sollten sich auch schon jetzt Unternehmen, die aktuell (noch) nicht unter die verpflichtende Nachhaltigkeitsberichterstattung fallen, darauf einstellen. Und entsprechende Nachweise und Informationen bereithalten.

Für die Berichte gibt es verschiedenen Berichtsstandards, für international agierende Unternehmen bietet sich GRI an, deutsche Unternehmen nach DNK, häufig reicht auch ein Bericht auf Basis der SDG.